ich melde mich zurück nach einem langen Wochenende mit viel Spannung, Kistenschleppen und Schaubwischen. Samstag hatte der Showdown begonnen - mit vielen Kisten und der Feststellung, dass ich unmöglich all die Dinge nach Hause transportieren kann, die sich so im letzten Jah
Mein Umzug zum 01.Mai lässt sich gut in einen kulturellen Kontext einbetten. Denn wie mir geht es hier auch vielen anderen Studenten, wenn auch mit einem wichtigen Unterschied: sie müssen ihre Sachen nicht nach Übersee, sondern "nur" in die USA zurücktransportieren. Zur Erklärung: Ich wohne seit gestern im sogenannten McGill-Ghetto, einem Viertel sehr nahe beim Campus, das fast ausschließlich von Studenten bewohnt wird. Deshalb standen in den vergangenen Tagen vor jedem Haus im Viertel Minivans mit besorgten Eltern, die den Nachwuchs mit samt halben Haushalt wieder zurück in die Staaten fahren. Das ist jetzt an sich nichts besonderes, aber in der Art und Weise wie hier das Semester zu Ende geht, besteht im Vergleich mit Deutschland schon ein großer Unterschied. Interessanterweise verschwinden hier die meisten Studenten komplett bis zum Beginn des Wintersemesters (September), um den Sommer über zu arbeiten. Anders als zu Hause werden deshalb auch die Zimmer aufgegeben, weshalb die Straßen rund um meine neue WG mit aufgegebenen Matratzen übersät sind. Doch damit nicht genug, Bücher, Coursepacks (kopierte und gebundene Seminartexte), Tüten über Tüten mit Klamotten und jede Menge Büromaterial liegt auch auf dem Bürgersteig. Dazu ganze Bettgestelle, Schreibtische, Stühle und anderes Zeug. Falls jemand genau jetzt umzieht, und sich günstig mit Möbeln eindecken muss, ist hier die passende Gelegenheit. Unglaublich, was hier als "Müll" deklariert wird. Da ich bereits ein massives Gepäckproblem habe, musste ich über all die schönen Dinge hinwegsehen, hätte aber bei gleicher Situation zu Hause kräftig zugeschlagen. Dieses Phänomen bringt mich zu meinem Post-Titel zurück. Ich habe festgestellt, dass Studenten hier eine viel krasse Wegwerf-Mentalität haben. Ihr Verhältnis zu Eigentum von anderen (gerade in WGs), aber auch generell im Leben, unterscheidet sich stark von meinen Erfahrungen in meiner Unistadt Freiburg. Ich habe natürlich keine Feldstudie beschrieben, aber es ist schon erstaunlich, wie viel Wohlstandsmüll hier auf den Straßen liegt. Ich habe mich gefragt, woran das liegen könnte. Sicherlich ist ein Grund in der finanziellen Situation vieler Studenten hier zu suchen. Die meisten verfügen über wesentlich mehr Taschengeld als ein deutscher Ottonormalstudent. Ich denke aber auch, dass verantwortungsvolles Verhalten, gerade auch im Bezug zur Umwelt hier nicht besonders groß geschrieben wird. Echt schade, denn all diese Sachen, die jetzt auf die Müllabfuhr warten, hätten vielleicht auch der Salvation Army gut getan. Oder garnicht erst gekauft werden sollen. Aus diesem Phänomen lässt sich nicht ableiten, dass alle kanadischen oder amerikanischen Studenten eine Wegwerfmentalität haben. Vielleicht lässt sich aber im übertragenen Sinn formulieren, dass hier schneller "Zelte abgebrochen" werden können und ein Neuanfang am anderen Ende des Kontinents/der Grenze durchaus im Bereich des Möglichen für viele Studenten liegt.
Zurück zur Normalität und Dingen, die wirklich alle in Montreal beschäftigen: Am Wochenende hatten wir zum ersten Mal 20 Grad (!!!) und das haben meine Freunde und ich genutzt, um ein bisschen im Park Sonne zu tanken und endlich, endlich, endlich die beste Zeit in Montreal überhaupt zu feiern! Ich komme übrigens am 31.07. wieder nach Hause. Und außerdem gibts eine neue Adresse, für alle die interessiert sind. Bitte emailen.
Bis bald, eure Hanni
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