Liebe Freunde des Online-Tagebuchs,
hier geht nichts mehr. Grund ist ein ganz gewöhnlicher Schneesturm, auch Blizzard genannt, der uns seit gestern Abend mindestens 30 cm Neuschnee beschert hat. Als ich gestern Abend schlafen gegangen bin, habe ich aus Gewohnheit das Fenster geöffnet. Aber weil mein Zimmer in einer Ecke zwischen zwei Häusern liegt, peift der Wind, wenn er denn pfeift, genau in mein Fenster hinein. Der Wind in meinem Zimmer erzeugt dann ein ganz ungewöhnliches Geräusch, was sich hier schwer wiederholen lässt. Ist aber nicht gerade angenehm, eher etwas unheimlich. Weil ich das Geräusch nicht mag, habe ich dann schweren Herzens das Fenster zugelassen - eine gute Entscheidung, wie sich heute morgen herausstellen sollte. Denn über Nacht hatte Quebec und vor allem Montreal ein Blizzard erreicht. Während es also in der Heimat wieder angenehm ist, haben sich meine Gummistiefel mal wieder beweisen müssen.
Letzte Woche haben mich meine alten gelben Gummistiefel verlassen. Das klingt jetzt tragisch und manch einer wird sich fragen, warum ich wohl ein solches Aufhebens um meine Gummistiefel mache. Nun, zu meiner Verteidigung kann ich zwei Punkte anbringen. Zum einen haben mich meine gelben Einzelstücke durch diesen verdammt langen Winter treu begleitet (auch wenn sie dabei ziemlich schmutzig wurden). Zum anderen wurden die Stiefel von meinen Freunden als Erkennungszeichen gewertet. Der Aufschrei war also groß, als ich verkünden musste, dass die Gelben von mir gegangen waren. Als dann noch meine elektrische Zahnbürste ihren Geist aufgab, hatte ich das Gefühl, vom Kaputtnik-Geist verfolgt zu sein. Diese Episode ist ein gutes Beispiel für die Banalitäten meines Alltags, der keineswegs aus glamourösen Abenteuern an einer Eliteuni besteht (ich hoffe, niemand hatte einen solchen Eindruck), sondern sich mit solch spannenden Fragen beschäftigt, wie "welche Gummistiefel kaufe ich mir jetzt?".
Um's kurz zu machen: jedes Mädel trägt hier die gleichen Klamotten und Schuhe. Bevorzugt werden 400$ teure Daunenjacken Marke Canada Goose und UGG Boots. Über die hatte ja Lenny letztens schon ausführlich berichtet. Und weil diese schrecklichen UGGly boots im Winter alles andere als wasserdicht sind, entscheiden sich hier 99% aller Studentinnen, in Gummistiefel für 150$ der Marke Hunter zu investieren. Echt wahr, werdet ihr jetzt fragen, schließlich sind 150$ für Gummistiefel - genau, Gummistiefel, der absolute Wahnsinnn! Aber weil hier (wie auch sonst auf der Welt) alle gleich aussehen wollen, und das hat Lenny auch schon festgestelt, kauft diese Stiefel jeder. Ich wollte sie auch. Dann habe ich mich aber mit Rücksicht auf meinen Geldbeutel und Herdentrieb für ein anderes und wesentlich billigeres Paar entschieden, wie man auf dem leider unscharfen Bild sehen kann.
Schuhe waren auch ein wichtiges Thema, als ich heute zum ersten Mal die wunderschöne Bibliothek der Theologen besuchen musste. Als ich in die Vorhalle kam, standen auf einmal dutzende Paar Schuhe vor mir. Weil die Böden des Jahrhundertwende-Gebäudes aus Mamor und Parkett sind, müssen alle Besucher und Nutzer der Bibliothek die Schuhe ausziehen und in Socken in der Bibliothek sitzen. Mir hat das gut gefallen, auch weil man irgendwie viel leiser unterwegs ist, als gewönlich. Am Eingang hing dann auch dieser Zettel, der für mich wie eine Personifizierung der oben genannten Konformität in Sachen Kleidungsstil klang: "Hilfe! Ich habe letztens aus Versehen die falschen schwarzen Hunterboots angezogen! Falls Du meine hast, bitte melde dich! -Amy". Weil heute zusätzlich, oder vielleicht wegen, zum Blizzard das gesamte Unicomputersystem down war, konnte ich in der Bibliothek mein Buch nicht finden. Aber auch der Bibliothekar konnte mir in der winzigen Sammlung nicht weiterhelfen, sodass ich eigentlich auf einen Zettelkasten angewiesen gewesen wäre. Aber auch an dieser Stelle Fehlanzeige. Statt dessen rettete mich der Zufall, denn das System sprang nach einer Weile wieder an.
Alle freuen sich hier darauf, dass der Schnee vergeht, aber wann das sein wird, steht irgendwie in den Sternen. Weil man dagegen aber nichts machen kann, trinken wir hier weiterhin Glühwein, fiebern St.Patricks Day entgegen und schreiben, schreiben, schreiben/lesen. Bis bald, eure Hanni
hier geht nichts mehr. Grund ist ein ganz gewöhnlicher Schneesturm, auch Blizzard genannt, der uns seit gestern Abend mindestens 30 cm Neuschnee beschert hat. Als ich gestern Abend schlafen gegangen bin, habe ich aus Gewohnheit das Fenster geöffnet. Aber weil mein Zimmer in einer Ecke zwischen zwei Häusern liegt, peift der Wind, wenn er denn pfeift, genau in mein Fenster hinein. Der Wind in meinem Zimmer erzeugt dann ein ganz ungewöhnliches Geräusch, was sich hier schwer wiederholen lässt. Ist aber nicht gerade angenehm, eher etwas unheimlich. Weil ich das Geräusch nicht mag, habe ich dann schweren Herzens das Fenster zugelassen - eine gute Entscheidung, wie sich heute morgen herausstellen sollte. Denn über Nacht hatte Quebec und vor allem Montreal ein Blizzard erreicht. Während es also in der Heimat wieder angenehm ist, haben sich meine Gummistiefel mal wieder beweisen müssen.
Letzte Woche haben mich meine alten gelben Gummistiefel verlassen. Das klingt jetzt tragisch und manch einer wird sich fragen, warum ich wohl ein solches Aufhebens um meine Gummistiefel mache. Nun, zu meiner Verteidigung kann ich zwei Punkte anbringen. Zum einen haben mich meine gelben Einzelstücke durch diesen verdammt langen Winter treu begleitet (auch wenn sie dabei ziemlich schmutzig wurden). Zum anderen wurden die Stiefel von meinen Freunden als Erkennungszeichen gewertet. Der Aufschrei war also groß, als ich verkünden musste, dass die Gelben von mir gegangen waren. Als dann noch meine elektrische Zahnbürste ihren Geist aufgab, hatte ich das Gefühl, vom Kaputtnik-Geist verfolgt zu sein. Diese Episode ist ein gutes Beispiel für die Banalitäten meines Alltags, der keineswegs aus glamourösen Abenteuern an einer Eliteuni besteht (ich hoffe, niemand hatte einen solchen Eindruck), sondern sich mit solch spannenden Fragen beschäftigt, wie "welche Gummistiefel kaufe ich mir jetzt?".
Um's kurz zu machen: jedes Mädel trägt hier die gleichen Klamotten und Schuhe. Bevorzugt werden 400$ teure Daunenjacken Marke Canada Goose und UGG Boots. Über die hatte ja Lenny letztens schon ausführlich berichtet. Und weil diese schrecklichen UGGly boots im Winter alles andere als wasserdicht sind, entscheiden sich hier 99% aller Studentinnen, in Gummistiefel für 150$ der Marke Hunter zu investieren. Echt wahr, werdet ihr jetzt fragen, schließlich sind 150$ für Gummistiefel - genau, Gummistiefel, der absolute Wahnsinnn! Aber weil hier (wie auch sonst auf der Welt) alle gleich aussehen wollen, und das hat Lenny auch schon festgestelt, kauft diese Stiefel jeder. Ich wollte sie auch. Dann habe ich mich aber mit Rücksicht auf meinen Geldbeutel und Herdentrieb für ein anderes und wesentlich billigeres Paar entschieden, wie man auf dem leider unscharfen Bild sehen kann.
Schuhe waren auch ein wichtiges Thema, als ich heute zum ersten Mal die wunderschöne Bibliothek der Theologen besuchen musste. Als ich in die Vorhalle kam, standen auf einmal dutzende Paar Schuhe vor mir. Weil die Böden des Jahrhundertwende-Gebäudes aus Mamor und Parkett sind, müssen alle Besucher und Nutzer der Bibliothek die Schuhe ausziehen und in Socken in der Bibliothek sitzen. Mir hat das gut gefallen, auch weil man irgendwie viel leiser unterwegs ist, als gewönlich. Am Eingang hing dann auch dieser Zettel, der für mich wie eine Personifizierung der oben genannten Konformität in Sachen Kleidungsstil klang: "Hilfe! Ich habe letztens aus Versehen die falschen schwarzen Hunterboots angezogen! Falls Du meine hast, bitte melde dich! -Amy". Weil heute zusätzlich, oder vielleicht wegen, zum Blizzard das gesamte Unicomputersystem down war, konnte ich in der Bibliothek mein Buch nicht finden. Aber auch der Bibliothekar konnte mir in der winzigen Sammlung nicht weiterhelfen, sodass ich eigentlich auf einen Zettelkasten angewiesen gewesen wäre. Aber auch an dieser Stelle Fehlanzeige. Statt dessen rettete mich der Zufall, denn das System sprang nach einer Weile wieder an.
Alle freuen sich hier darauf, dass der Schnee vergeht, aber wann das sein wird, steht irgendwie in den Sternen. Weil man dagegen aber nichts machen kann, trinken wir hier weiterhin Glühwein, fiebern St.Patricks Day entgegen und schreiben, schreiben, schreiben/lesen. Bis bald, eure Hanni
1 Kommentar:
Hey Johanna, ich muss zugeben, dass ich manchmal in deinen BLOG reinschnuppere ;-) der Abschnitt über UGGs und Gummistiefel - sehr treffend formuliert! Ich wünsch uns ein tolles Frühjahr.
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