
Womit soll man anfangen zu erzählen, wenn so eine lange Zeit seit dem letzten Blogeintrag vergangen ist? Nun, ich muss zugeben, ich habe mich nicht gerade intensiv um den Blog gekümmert. Auf der anderen Seite - und ich glaube, dieser Satz kommt in jedem einzelnen Beitrag vor - hatte ich wirklich viel zu tun! Und wie interessant ist es schon zu hören, dass ich tagein, tagaus, an meinem Schreibtisch oder in der Uni sitze und mir mit zu viel Computertextelesen die Augen verderbe? Als ich klein war, hat mein Opa hat mir immer gesagt, dass ich vom Fernsehn quadratische Augen bekommen würde. Langsam glaube ich das auch. Allerdings nicht durchs Fernsehn, sondern durch PDFs. Kurzum: wenig Spektakuläres ist in den letzten Wochen passiert, weshalb es mal wieder gedauert hat, bis ich mich hier wieder melde.
Ich arbeite derzeit an zwei Projekten. Auf der einen Seite versuche ich, Stück für Stück meine erste "große" Hausarbeit voranzutreiben. Sie soll sich mit der Stabilitätsphase der DDR beschäftigen, zunächst mit dem Zeitraum 1961 bis 1965 unter Ulbricht. Dafür muss ich natürlich, wer hätte das jetzt gedacht, viel lesen. Auf der anderen Seite habe ich ja immer noch meinen Teaching Assistant Job an der Uni. Und der kostet viel Zeit. Wer auch immer behauptet hat, dass Lehrer-Sein ein leichter Job ist, der war selbst noch kein Lehrer. Meine Aufgabe ist es, mit Studenten jüngeren Semesters über den Zweiten Weltkrieg an Hand ihrer Hausaufgaben-Lektüre zu diskutieren. Ich habe zwei Kurse mit jeweils um die 30 Studenten. Und weil Studenten nicht nur diskutieren, sondern auch Noten bekommen, schreiben also diese 60 Studis auch noch Klausren. Obowhl ich diese Woche die sogenannte "Spring Break", eine vorlesungsfreie Woche, genießen kann, habe ich die meiste Zeit mit der Korrektur der Zwischenklauren meiner Studis verbracht. Viel Arbeit, aber auch ab und zu ein Scherz am Rande. So argumentierte beispielsweise eine Studentin, die Deutschen hätten im Krieg gegen Frankreich von "Polen her" angegriffen. Weil "die Franzosen mit einem Angriff aus dieser Richtung" nicht gerechnet hätten, wäre der Krieg für die Deutschen positiv verlaufen. Solche und andere Kleinigkeiten machen das Korregieren dann doch zu einer ganz netten Sache.
Wettermässig ist es hier ein einziges auf und ab; letzte Woche hatten wir für kurze Zeit (einen Tag) 5 Grad. Und wir alle dachten, der Sommer ist ausgebrochen! Ich konnte ohne Jacke ausgehen und hatte das Gefühl, dass die Luft schon den Frühling in sich trägt. Ehrlich gesagt, man wird so schnell kanadisch! Blöderweise war es am Tag danach schon wieder -8, am Sonntag dann -15, sodass das kanadische "ich-gewöhne-mich-an-jede-temperatur" ganz schnell wieder verschunden war. Morgen soll es wieder 10 cm Neuschnee geben, man darf also gespannt sein. Eigentlich würde ich aber lieber für 10 Grad und Regen votieren, als noch einen Monat bis zu -20 zu haben.
Um auf andere Gedanken zu kommen, haben meine Mitbewohnerin Simone und ich Heavy Metal Kinder-Tatoos aufgetragen. Ich habe mich für das hübsche Modell "wütendes Einhorn" entschieden:
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Wütendes Einhorn" lautet mein Stichwort für die beiden "dunklen-Stunden"-Geschichten von denen ich euch jetzt berichten werde. Letzte Woche habe ich eine unangenehme/merkwürdige Erfahrung gemacht. Als ich gerade eine der vielen kostenlosen Unizeitungen mitnehmen wollte, wurde ich von der Seite angequatscht. "Ich bin Jesus" sagte die Stimme eines etwa Mitte/Anfang 30jährigen Hippies. Ich war unschlüssig, was ich darauf antworten sollte. Es war ziemlich offensichtlich, dass er nicht Jesus war. Aber ob ich ihm das sagen sollte, darüber war ich mir nicht klar. "Ich kann dir helfen, das Wasser zu trinken, was vom Himmel kommt", sagte die Stimme. Ich wurde noch unschlüssiger. "Wo ist die nächste Möglichkeit, meine Flasche aufzufüllen?", fragte mich die Stimme. Ich konnte jetzt endlich reagieren, sagte "Da vorne, gleich um die Ecke auf der rechten Seite". Der Hippie sah mich an, dann fragte er mit lauter Stimme: "Warum sprichst du kein Französisch mit mir?". Die verschiedensten Dinge gingen mir in dem Moment durch den Kopf. "Mensch, weil ich in der Uni bin", "weil mein Französisch schlechter ist, als ich zugeben würde"...ehrlich gesagt war mir die ganze Situation ziemlich peinlich. Warum ich nicht schon längst das Unigebäude verlassen hatte, weiß ich nicht. Als einziger Ausweg fiel mir das Dümmste ein, was ich seit langem gesagt habe: "Weil ich Deutsche bin.". Sprachs und verließ fluchtartig das Gebäude. Doch anstatt des gewünschten Überraschungseffektes beschloss der Hippie ebenfalls, mit mir das Gebäude zu verlassen. Und als er merkte, dass meine Aufmerksamkeit nun nicht mehr ihm galt, rief er wütend und für alle laut hörbar "Heil Hitler!".
Ich arbeite derzeit an zwei Projekten. Auf der einen Seite versuche ich, Stück für Stück meine erste "große" Hausarbeit voranzutreiben. Sie soll sich mit der Stabilitätsphase der DDR beschäftigen, zunächst mit dem Zeitraum 1961 bis 1965 unter Ulbricht. Dafür muss ich natürlich, wer hätte das jetzt gedacht, viel lesen. Auf der anderen Seite habe ich ja immer noch meinen Teaching Assistant Job an der Uni. Und der kostet viel Zeit. Wer auch immer behauptet hat, dass Lehrer-Sein ein leichter Job ist, der war selbst noch kein Lehrer. Meine Aufgabe ist es, mit Studenten jüngeren Semesters über den Zweiten Weltkrieg an Hand ihrer Hausaufgaben-Lektüre zu diskutieren. Ich habe zwei Kurse mit jeweils um die 30 Studenten. Und weil Studenten nicht nur diskutieren, sondern auch Noten bekommen, schreiben also diese 60 Studis auch noch Klausren. Obowhl ich diese Woche die sogenannte "Spring Break", eine vorlesungsfreie Woche, genießen kann, habe ich die meiste Zeit mit der Korrektur der Zwischenklauren meiner Studis verbracht. Viel Arbeit, aber auch ab und zu ein Scherz am Rande. So argumentierte beispielsweise eine Studentin, die Deutschen hätten im Krieg gegen Frankreich von "Polen her" angegriffen. Weil "die Franzosen mit einem Angriff aus dieser Richtung" nicht gerechnet hätten, wäre der Krieg für die Deutschen positiv verlaufen. Solche und andere Kleinigkeiten machen das Korregieren dann doch zu einer ganz netten Sache.
Wettermässig ist es hier ein einziges auf und ab; letzte Woche hatten wir für kurze Zeit (einen Tag) 5 Grad. Und wir alle dachten, der Sommer ist ausgebrochen! Ich konnte ohne Jacke ausgehen und hatte das Gefühl, dass die Luft schon den Frühling in sich trägt. Ehrlich gesagt, man wird so schnell kanadisch! Blöderweise war es am Tag danach schon wieder -8, am Sonntag dann -15, sodass das kanadische "ich-gewöhne-mich-an-jede-temperatur" ganz schnell wieder verschunden war. Morgen soll es wieder 10 cm Neuschnee geben, man darf also gespannt sein. Eigentlich würde ich aber lieber für 10 Grad und Regen votieren, als noch einen Monat bis zu -20 zu haben.
Um auf andere Gedanken zu kommen, haben meine Mitbewohnerin Simone und ich Heavy Metal Kinder-Tatoos aufgetragen. Ich habe mich für das hübsche Modell "wütendes Einhorn" entschieden:
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Wäre ich ein wütendes Einhorn gewesen, mir wäre sicherlich eine eloquentere und ethno-kulturell passendere Antwort eingefallen. Auf der anderen Seite habe ich schon andere Leute von diesem Hippie sprechen gehört, und Jesus wäre sicherlich nicht böse gewesen, wenn ich ihm auf Englisch den Weg zum nächsten Wasserhahn erklärt hätte.
Eine andere Geschichte handelt vom guten Essen und schlechtem Service in Montreal. Das kommt häufiger zusammen, aber generell wiegt das gute Essen den schlechten Service auf. Nicht so in diesem Fall. Vor ein paar Tagen beschlossen ein paar Freundinnen und ich, auf Montreals wichtigster Einkaufs- und Tanzmeile St.Laurent nach einem erfolglosen Vintage-Bummel, den Abend mit Sushi ausklingen zu lassen. Wir wollten einerseits All-you-can-eat bestellen, aber ein paar von uns hatten sich für eine reguläre Bestellung a la carte entschieden. Doch die Bedienung teilte uns mit, dass das nicht möglich sei. Sobald eine von uns sich für die All-you-can-eat-Option entscheiden würde, müssten wir alle nachziehen. Dahinter stand die Furcht, wir könnten uns den Vorteil von viel Sushi zu nutze machen, und heimlich teilen. Deshalb setzten wir uns in zwei Gruppen an getrennte Tische, um diesem Eindruck vorzubeugen. Ein paar weitere Malheurs später wurde meine Freundin genötigt, ihr übriggebliebenes Sushi aufzuessen, da sonst für jedes übriggebliebene Etwas pro Stück 1$ berechnet würde. Und als sie sich dann voller Mühe das letzte Stück Sushi heruntergezwungen hatte, wurde ihr von der milde lächelnden Bedienung versichert, dass "sie ihr das letzte Stück nicht berechnet hätte, es wäre ja nur ein Scherz gewesen". Ich habe ehrlich gesagt noch nie so einen schlechten Service erlebt. Und deshalb eine für nordamerikanische Verhältnisse sehr radikale Konsequenz gezogen. Ich habe kein Trinkgeld gegeben. Alle waren begeistert, nur die Bedienung nicht. Sie ließ mir über meine Freundin ausrichten, "tell your friend, she's a bitch".
Ich war ein wütendes Einhorn! Und als ich danach zur Beruhigung im unglaublich netten und gemütlichen griechischen Kaffee in unserer Straße ein paar Karamel-Schoko-Cookies zur Beruhigung kaufte, wusste ich: ich habe absolut richtig gehandelt. Und es fühlt sich gut an!
Bis bald, eure Hanni
Eine andere Geschichte handelt vom guten Essen und schlechtem Service in Montreal. Das kommt häufiger zusammen, aber generell wiegt das gute Essen den schlechten Service auf. Nicht so in diesem Fall. Vor ein paar Tagen beschlossen ein paar Freundinnen und ich, auf Montreals wichtigster Einkaufs- und Tanzmeile St.Laurent nach einem erfolglosen Vintage-Bummel, den Abend mit Sushi ausklingen zu lassen. Wir wollten einerseits All-you-can-eat bestellen, aber ein paar von uns hatten sich für eine reguläre Bestellung a la carte entschieden. Doch die Bedienung teilte uns mit, dass das nicht möglich sei. Sobald eine von uns sich für die All-you-can-eat-Option entscheiden würde, müssten wir alle nachziehen. Dahinter stand die Furcht, wir könnten uns den Vorteil von viel Sushi zu nutze machen, und heimlich teilen. Deshalb setzten wir uns in zwei Gruppen an getrennte Tische, um diesem Eindruck vorzubeugen. Ein paar weitere Malheurs später wurde meine Freundin genötigt, ihr übriggebliebenes Sushi aufzuessen, da sonst für jedes übriggebliebene Etwas pro Stück 1$ berechnet würde. Und als sie sich dann voller Mühe das letzte Stück Sushi heruntergezwungen hatte, wurde ihr von der milde lächelnden Bedienung versichert, dass "sie ihr das letzte Stück nicht berechnet hätte, es wäre ja nur ein Scherz gewesen". Ich habe ehrlich gesagt noch nie so einen schlechten Service erlebt. Und deshalb eine für nordamerikanische Verhältnisse sehr radikale Konsequenz gezogen. Ich habe kein Trinkgeld gegeben. Alle waren begeistert, nur die Bedienung nicht. Sie ließ mir über meine Freundin ausrichten, "tell your friend, she's a bitch".
Ich war ein wütendes Einhorn! Und als ich danach zur Beruhigung im unglaublich netten und gemütlichen griechischen Kaffee in unserer Straße ein paar Karamel-Schoko-Cookies zur Beruhigung kaufte, wusste ich: ich habe absolut richtig gehandelt. Und es fühlt sich gut an!
Bis bald, eure Hanni
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