Freitag, 19. November 2010

Teenager-Feeling




Liebe Freunde des Online-Tagebuchs,

lange habe ich mich nicht mehr bei euch gemeldet. Das lag zum einen daran, dass ich (wie immer) viel zu tun hatte. Zum anderen auch daran, dass ich schreibfaul war. Aber das ändert sich ja jetzt, und es kommt Neuigkeitennachschub. Ich fange bei etwas ganz banalem an: ich habe kanadisches Thanksgiving gefeiert. Das war zwar schon im Oktober, ist deshalb schon eine Weile her, aber ich wollte es euch mitteilen, schließlich erlebt man nicht alle Tage etwas "typisch Kanadisches". Bei Margharita zu Hause gab es einen kleinen Truthahn mit Kartoffelbrei, Erbsen und einer undefinierbaren brauen Soße. Es war interessant, aber jeden Tag brauche ich Truthahn in nächster Zeit nicht. Ein anderes Essensexperiment hat mich ebenfalls nicht 100% überzeugt: Cupcakes. Ich weiß, viele von euch kennen das schon. Aber für diejenigen, die mit diesen übertrieben süßen Muffin-Zombies noch keinen Kontakt hatten, hier ein Bild und eine kurze Beschreibung. Eigentlich ist ein Cupcake ein ordinärer Muffin. Was ihn vom Muffin unterscheidet ist die Zucker"schaum/sahne/krone" obendrauf. Wenn man in den Cupcake beisst, hat man zuerst den Geschmack von fieser Zuckerkruste im Mund, die sich dann schnell in ein extrem süßes Gemisch aus Schlagsahne und Zucker verwandelt. Also für diesen Trend bin ich nicht zu gewinnen. Ich glaub, ich halte mich auch weiterhin an Schokolade.
Zeuge eines etwas anderen "typisch kanadischen" Ereignisses bin ich letzte Woche geworden.
Wie ich ja bereits berichtet habe, tragen hier viele Leute eine sogenannte "Poppy" (dt. Mohnblume) zum Gedenken an die Gefallenen im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Beim Buchladen gibt es 20 patriotische Prozent auf militargeschichtliche Literatur verkündet das Plakat eines Verlages am schwarzen Brett des historischen Seminars und natürlich gibt es auch eine zentrale Gedenkveranstaltung für Quebec. Die fand am 11.11. (sowas wie Volkstrauertag) bei uns im Park vor der Uni statt. Das bedeutete, dass jede Menge Veteranen und auch reguläre Armee anwesend war. Nach langen Vorbreitungen marschierten dann zwei unterschiedliche Abteilungen, eine Marschkapelle hat sowohl "God save the Queen" als auch "Oh Canada" intoniert und es wurden zahlreiche Kränze niedergelegt. Anders als ich es erwartet hatte, haben bei der Nationalhymne nicht so viele Leute mitgesungen. Und überhaupt hatte ich das Gefühl, dass viele eher aus Interesse, als aus Gedenken an der Veranstatlung bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen deutlich unter 0 Grad teilgenommen haben. Im Hintergrund donnerten 21 Kanonenschüsse, die am Anfang ziemlich durch Mark und Bein gingen, aber nach einer Weile war es dann nicht mehr schlimm. Eigentlich merkwürdig, wie schnell man sich an so etwas gewöhnen kann. Woran ich mich nicht gewöhnen konnte war die Tatsache, dass nach einer Weile auch der Unikindergarten an der Veranstaltung teilnehmen musste. Ob die Leiter des Kindergarten dazu verplichtet wurden oder sich nur fühlten kann ich nicht sagen. Neben mir waren jedenfalls 10 verunsicherte 2jährige, von denen einige mit den Kanonenschüssen nicht so gut klarkamen. Ich habe mich dann mit einer Frau neben mir über die weinenden Kinder unterhalten und sie hat mir versichert, dass auch von Kindergärten erwartet wird, bei solchen Veranstaltungen anwesend zu sein. Ich kann dazu nur sagen, dass ich froh bin, dass deutsche Kindergärten wert auf pazifistische Erziehung legen. Und ich denke auch dass es gut ist, dass es keinen Zwang für Schulen/Erziehungseinrichtungen gibt, an patriotischen Veranstaltungen teilzunehmen. Abschließend bin ich dann auch in den Besitz einer Poppy gekommen, auch wenn sie mehr Souvenir als wirkliches Gedenkstück für mich ist.
Ich verbringe meine Zeit generell damit, viel für die Uni zu arbeiten. In den letzten zwei Wochen habe ich ca. 6 kürzere und längere Essays geschrieben. Das war mit ein Grund, weshalb ich mich an dieser Stelle eher nicht gemeldet habe.
Als willkommene Abwechselung stand da das wöchentliche Harry-Potter-Vorbreitungs-Schauen. Meine Mitbewohnerin Simone und ich haben nämlich professionell auf den gestrigen Abend hingearbeitet - die Premiere der ersten Hälfte des letzten Teils von Harry Potter! Weil abzusehen war, dass sich bei freier Platzwahl bei der seit Wochen ausverkauften Show die Zuschauer früh anstellen würden, haben wir uns entschlossen schon ab 9 Uhr Abends anzustellen. Doch statt großem Anstrum gab es nur ein paar verkleidete Teenies und keine Schlange. Simone und ich waren gut vorbereitet - Kekse&Kaffee - und so haben wir die Stunden bis Mitternacht ausgeharrt. Irgendwie war es auch lustig. Ich habe zuvor und vor allem als Teenie nie für ein Konzert o.ä. vor der Tür stundenlang "gecampt". Deshalb: neue Erfahrung, lustig, gerne wieder. Der Film selbst war ziemlich blutig, aber spannend und ich muss sagen, dass es leider noch viel zu lange dauert, bis der letzte Teil im Juli veröffentlicht wird.
Ansonsten sehe ich mich nach dem Ende des Trimesters das nur noch 2 Wochen entfert liegt. Dann ist erstmal Entspannung angesagt. Bis dahin heißt es noch durchhalten, die letzten Essays schreiben und Klausuren meiner Studis korrigieren usw usw usw.
Bis bald, eure Hanni

PS. Auf Grund mehrerer Anfragen: Nein, es schneit noch nicht. Leider!

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