liebes online-tagebuch,
lange ists her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe. Dafür bitte ich höflichst um entschudligung. Wie ihr euch sicher denken könnt, habe ich in den letzten zwei Wochen exorbitant viel zu tun gehabt und bin deshalb nicht zum Schreiben gekommen.
Wo fange ich bei all den Dingen an, die ich erlebt habe?
Vielleicht bei meiner WG. Letzte Woche ist überraschend Diana ausgezogen. Genaue Gründe hat sie nicht genannt - aber wir konnten uns schon denken, warum. Die Mäuse belagern immernoch die Zwischenräume hinter den Wänden und bis jetzt haben alle schon eine Maus getroffen, außer mir. In der Hinsicht haben wir aber auch schon einen kleinen Erfolg zu verbuchen: eine Maus hat wegen Peanutbutter das Zeitliche gesegnet. Wir haben den kleinen Triumph über die Nagetiere gefeiert aber es bleiben doch Zweifel, wie viele da "draußen" wohl noch sind. Zieh doch aus, sagen manche. Aber so weit will ich noch nicht gehen. Mal sehen, wie sich unsere Plage in nächster Zeit entwickelt. Wir sind jetzt jedenfalls auf der Suche nach einer neuen Mitbewohnerin, aber es sich nicht danach aus, als ob im nächsten Moment jemand vorbeischneien würde.
v.l.n.r.: charles,alice,ich,frans
(luis macht das foto)
An Schnee habe ich die letzten Tage schon gedacht - bei um die 5C draußen wird einem ganz anders. Packt eure warmen Sachen ein, gab uns Luis als guten Rat mit auf den Weg. Denn unser Trip nach Le Bic (500km nördlich von Montréal) war als kühl vorausgesagt worden. Doch statt beißender Kälte erwartete uns in dem verschlafenen Küstenort wunderschönes Wetter. Ich habe sogar einen kleinen Sonnenbrand bekommen! Statt mieser Herbstgefühle also Sonnenschein, Kubb (ja, Kubb!), Wassereis und große Veranda. Das Meer mit echten Robben und wunderschönem Frühstück auf Felsvorsprung nicht zu vergessen! Besonders mutige Quebecer, Dänen und Holländer haben sich auch ins Wasser getraut. Die deutsch-französische Freundschaft hat aber auf Distanz zum nahe dem Gefrierpunkt-kalten Wasser bestanden. Besser konnte mein "Lernwochenende" gar nicht verlaufen. Luis, übrigens gebürtiger "Bicer" (sagt man das so?), führte uns in die quebecoise Lebenskultur durch umfangreiches Poutine-Essen ein und erheiterte die internationale Meute durch seine Aussprache ("Haunt" statt "Aunt"). Wir haben uns gefragt, ob wohl babylonisches Sprachgewirr entstehen würde, wenn wir alle in unseren Muttersprachen kommunizieren würden. Soviel kann ich dazu bisher sagen: communiceren in het Nederlands en Deens is niet zo moeilijk!Ganz anders natürlich mit dem französisch, aber ich verstehe immerhin petit peux und manchmal auch plus. Mein Plan ist jedenfalls im Janunar einen Sprachkurs zu beginnen.

Außerdem habe ich Donnerstag letzte Woche an einem echten Quidditch-Training teilgenommen. Die Uni hat ein eigenes Quidditch-Team und mit mir waren ungefähr 30 andere "Anfänger" mit Besen bewaffnet angetreten, um den Quaffel ins Tor zu kriegen. Das ganze hat riesigen Spaß gemacht und war fast so brutal wie Rugby. Oder so, wie ich mir Rugby vorstelle. Denn wenn ich ehrlich bin, habe ich keine richtige Vorstellung von Rugby. Wie dem auch sei, ich versuche diesem Sport auch weiterhin nachzugehen. Wegen der vielen Unisachen, die ich jede Woche machen muss, steht der Entschluss aber noch nicht endgültig fest. Meine Freunde hier finden es jedenfalls unglaublich witzig, peinlich und haben versprochen, mich und meine Mannschaft lautstark zu untersützten.
Im Bus habe ich einen Typen getroffen, der ein "Freiburg. Germany."-TShit an hatte. Ich habe hin und her überlegt, ob ich ihn ansprechen soll. Mich dann dagegen entschieden, weil Leute im Bus anquatschen merkwürdig ist. Als er dann an der selben Haltestelle wie ich ausgestiegen ist, habe ich meine Meinung geändert. Und herausgefunden, dann er ein Jahr in Freiburg studiert hat und dass es einen Deutschen "Stammtisch" gibt. Dort treffen sich deutsche Dozenten und Germanophile, um sich, ja in was eigentlich?, auszutauschen. Vermutlich in allem Deutschbezogenen. Ich werde mal vorbeischauen.
Viele von euch wissen, dass ich auch an der Uni arbeite. Seit kurzem zeichnet sich ab, was ich eigentlich wirklich machen muss. Ich arbeite als Teaching Assistant für eine Vorlesung über den Ersten Weltkrieg. Die Vorlesung ist wenig spannend und ich habe schon einige Studenten beim Einschlafen beobachtet. Ich war selbst nicht gerade weit davon entfert. In der nächsten Zeit treffe ich mich viermal mit den Studenten. Bei diesen sogenannten "Conferences" muss ich dann Referate anhören und sie bewerten. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt.
Viel Arbeiten muss ich im Moment aber Gottseidank nicht, weil mich meine Kurse derart in Anspruch nehmen, dass an sowas wie Wochenende nicht zu denken ist. Aber ich will mich nicht beschweren, schließlich habe ich mir das selbst ausgesucht. Zum Schluss noch ein Loblied auf den lokalen Bagel-Laden: Hoch!Hoch!Hoch! Die schenken mir nämlich immer ein Stück Schokokuchen, wenn ich Bagels kaufe. Und nicht weil der Kuchen irgendwie schlecht ist, sondern weil sie einfach nett sind. Cool, oder?
Alles Liebe & bis bald,
eure Hanni

Das ist das Haus von Luis' Großvater, wo wir
in Bic gewohnt haben.
lange ists her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe. Dafür bitte ich höflichst um entschudligung. Wie ihr euch sicher denken könnt, habe ich in den letzten zwei Wochen exorbitant viel zu tun gehabt und bin deshalb nicht zum Schreiben gekommen.
Wo fange ich bei all den Dingen an, die ich erlebt habe?
Vielleicht bei meiner WG. Letzte Woche ist überraschend Diana ausgezogen. Genaue Gründe hat sie nicht genannt - aber wir konnten uns schon denken, warum. Die Mäuse belagern immernoch die Zwischenräume hinter den Wänden und bis jetzt haben alle schon eine Maus getroffen, außer mir. In der Hinsicht haben wir aber auch schon einen kleinen Erfolg zu verbuchen: eine Maus hat wegen Peanutbutter das Zeitliche gesegnet. Wir haben den kleinen Triumph über die Nagetiere gefeiert aber es bleiben doch Zweifel, wie viele da "draußen" wohl noch sind. Zieh doch aus, sagen manche. Aber so weit will ich noch nicht gehen. Mal sehen, wie sich unsere Plage in nächster Zeit entwickelt. Wir sind jetzt jedenfalls auf der Suche nach einer neuen Mitbewohnerin, aber es sich nicht danach aus, als ob im nächsten Moment jemand vorbeischneien würde.
v.l.n.r.: charles,alice,ich,frans(luis macht das foto)
An Schnee habe ich die letzten Tage schon gedacht - bei um die 5C draußen wird einem ganz anders. Packt eure warmen Sachen ein, gab uns Luis als guten Rat mit auf den Weg. Denn unser Trip nach Le Bic (500km nördlich von Montréal) war als kühl vorausgesagt worden. Doch statt beißender Kälte erwartete uns in dem verschlafenen Küstenort wunderschönes Wetter. Ich habe sogar einen kleinen Sonnenbrand bekommen! Statt mieser Herbstgefühle also Sonnenschein, Kubb (ja, Kubb!), Wassereis und große Veranda. Das Meer mit echten Robben und wunderschönem Frühstück auf Felsvorsprung nicht zu vergessen! Besonders mutige Quebecer, Dänen und Holländer haben sich auch ins Wasser getraut. Die deutsch-französische Freundschaft hat aber auf Distanz zum nahe dem Gefrierpunkt-kalten Wasser bestanden. Besser konnte mein "Lernwochenende" gar nicht verlaufen. Luis, übrigens gebürtiger "Bicer" (sagt man das so?), führte uns in die quebecoise Lebenskultur durch umfangreiches Poutine-Essen ein und erheiterte die internationale Meute durch seine Aussprache ("Haunt" statt "Aunt"). Wir haben uns gefragt, ob wohl babylonisches Sprachgewirr entstehen würde, wenn wir alle in unseren Muttersprachen kommunizieren würden. Soviel kann ich dazu bisher sagen: communiceren in het Nederlands en Deens is niet zo moeilijk!Ganz anders natürlich mit dem französisch, aber ich verstehe immerhin petit peux und manchmal auch plus. Mein Plan ist jedenfalls im Janunar einen Sprachkurs zu beginnen.

Außerdem habe ich Donnerstag letzte Woche an einem echten Quidditch-Training teilgenommen. Die Uni hat ein eigenes Quidditch-Team und mit mir waren ungefähr 30 andere "Anfänger" mit Besen bewaffnet angetreten, um den Quaffel ins Tor zu kriegen. Das ganze hat riesigen Spaß gemacht und war fast so brutal wie Rugby. Oder so, wie ich mir Rugby vorstelle. Denn wenn ich ehrlich bin, habe ich keine richtige Vorstellung von Rugby. Wie dem auch sei, ich versuche diesem Sport auch weiterhin nachzugehen. Wegen der vielen Unisachen, die ich jede Woche machen muss, steht der Entschluss aber noch nicht endgültig fest. Meine Freunde hier finden es jedenfalls unglaublich witzig, peinlich und haben versprochen, mich und meine Mannschaft lautstark zu untersützten.
Im Bus habe ich einen Typen getroffen, der ein "Freiburg. Germany."-TShit an hatte. Ich habe hin und her überlegt, ob ich ihn ansprechen soll. Mich dann dagegen entschieden, weil Leute im Bus anquatschen merkwürdig ist. Als er dann an der selben Haltestelle wie ich ausgestiegen ist, habe ich meine Meinung geändert. Und herausgefunden, dann er ein Jahr in Freiburg studiert hat und dass es einen Deutschen "Stammtisch" gibt. Dort treffen sich deutsche Dozenten und Germanophile, um sich, ja in was eigentlich?, auszutauschen. Vermutlich in allem Deutschbezogenen. Ich werde mal vorbeischauen.
Viele von euch wissen, dass ich auch an der Uni arbeite. Seit kurzem zeichnet sich ab, was ich eigentlich wirklich machen muss. Ich arbeite als Teaching Assistant für eine Vorlesung über den Ersten Weltkrieg. Die Vorlesung ist wenig spannend und ich habe schon einige Studenten beim Einschlafen beobachtet. Ich war selbst nicht gerade weit davon entfert. In der nächsten Zeit treffe ich mich viermal mit den Studenten. Bei diesen sogenannten "Conferences" muss ich dann Referate anhören und sie bewerten. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt.
Viel Arbeiten muss ich im Moment aber Gottseidank nicht, weil mich meine Kurse derart in Anspruch nehmen, dass an sowas wie Wochenende nicht zu denken ist. Aber ich will mich nicht beschweren, schließlich habe ich mir das selbst ausgesucht. Zum Schluss noch ein Loblied auf den lokalen Bagel-Laden: Hoch!Hoch!Hoch! Die schenken mir nämlich immer ein Stück Schokokuchen, wenn ich Bagels kaufe. Und nicht weil der Kuchen irgendwie schlecht ist, sondern weil sie einfach nett sind. Cool, oder?
Alles Liebe & bis bald,
eure Hanni

Das ist das Haus von Luis' Großvater, wo wir
in Bic gewohnt haben.
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