Montag, 23. August 2010

die ersten tage in der neuen stadt

Liebe Online-Tagebuch-Leser,

nach einer viel zu langen Zeit melde ich mich endlich aus Montréal! Wo soll ich anfangen – ist doch so viel passiert, seit dem ich am Mittwoch etwas müde aus dem Flieger gestiegen bin! Mein erster Eindruck war durchweg positiv: die Einwanderungsbehörde war wesentlich freundlicher als in den USA, weil ich mich bei einem Abholservice für internationale Studenten angemeldet hatte wurde ich bevorzugt behandelt und durfte sogar kostenlos in der Heimat anrufen, um zu versichern, dass ich gut angekommen bin. Also alles rund gegangen. Nachdem ich also diese Formalitäten hinter mich gebracht habe, war ich schon auf dem Weg zum Hostel. Das Hostel (Auberge Alternative) war in Downtown und nahe dem alten Kern der Stadt gut gelegen, und auch vom Preis her ok. Im Hostel selbst habe ich Tanja aus Tübingen getroffen (haha, Aliteration) mit der ich zusammen ein 6-Bett Zimmer untergebracht war. Dieser Umstand, und die Tatsache, dass es nur zwei Duschen für das gesamte Hostel gab, motivierten mich sehr, nach einer anderen Bleibe zu suchen. So kam es, dass ich in den ersten Tagen praktisch keinerlei Sightseeing machen konnte, da die Wohnungssuche die absolute Priorität hatte. Wohnungssuche funktioniert über craigslist.ca und ist eine eher unkomplizierte Angelegenheit. So stellen Leute ihre Zimmer für den nächsten Tag rein und meistens werden diese dann auch an den oder die erstbeste vermietet. Ich habe mir insgesamt drei unterschiedliche Zimmer angesehen, von denen eines teuer und gut gelegen, die Mitbewohnerinnen aber alle erst 19 waren. Das zweite Zimmer war zwar günstig – aber wie häufig in solchen Fällen – nicht gut gelegen „Yeah this is defenitly the poorest area in Montreal. This used to be in schoolbooks, too“. Das dritte Zimmer war vom Preis ok und auch sonst gut: dafür habe ich mich dann entschieden. Auch wenn ich letztlich unter Zugzwang stand und eigentlich gerne noch mehr Zeit zum „Apartmentshopping“, wie es hier genannt wird, gehabt hätte. àAdresse auf Anfrage!

Mittwoch bin ich in Montréal gelandet, Freitag bin ich eingezogen. Freitag habe ich dann angefangen, mehr von der Stadt selbst zu sehen. Habe mich an der Uni registriert – was im Vergleich zu Freiburg hochprofessionell, nett und unkompliziert ablief. Das Ausstellen meines Studentenausweises hat inklusive Foto nicht mehr als 5 Minuten gedauert! Yeah, das ist Organisation! Nach der Uni habe ich dann gemeinsam mit Emilie und Clement (einer Einheimischen und ihrem französischen Mitbewohner) Little Italie besucht, einen Second Hand Laden unter die Lupe genommen (hehe) und den alten Hafen besichtigt. Was ist anders in Montréal als beispielsweise in den Vereinigten Staaten? Als erstes fällt mir spontan die mehr oder weniger durchgezogene Mülltrennung ein. Hier versucht man zumindest Plastik und Glas vom Rest des Mülls zu trennen. Natürlich kann hier auch das für amerikanische Verhältnisse wirklich gute öffentliche Verkehrssystem genannt werden. Es ist billig und man kann zu den wichtigsten Orten mit der Ubahn fahren, was generell aber vor allem im Winter eine große Erleichterung darstellt. Was sehr anders ist – gerade im Vergleich zu US-Städten mit Ubahn – ist die Montréaler Erfindung der unterirdischen Shoppingmall. Es ist praktisch unmöglich, von der Straße direkt in die Ubahnstation zu gelangen, da man erst durch ein Gängegewirr mit dutzenden Geschäften muss. Es erscheint geradezu, als ob man mit Absicht den Weg zur Station verlängert hätte, damit der potenzielle Kunde doch vom Warenangebot verführt wird und eine Bahn später nimmt. Natürlich gibt es auch Ähnlichkeiten wie beispielsweise Fast Food, Mädels in Hot Pants, Flip Flops und riesigen Unipullis, Leute, die ihre Sätze mit „You know it’s like…“ beginnen, meine Mitbewohnerin, die zum Frühstück um 12 Mittags aus einem Riesentopf Vanilleeis ist, Dollars, billige Chucks und Jeans usw. usw.

Heute habe wieder den ganzen Tag auf dem Campus verbracht, weil ich einen Termin mit meinem Graduate Advisor und mit dem Chef des History Department hatte. Das war ziemlich spannend und auch ziemlich anstrengend, weil ich eine ganze Menge Paperwork zu tun hatte und das ähnlich wie zu Hause, kein Ende zu nehmen scheint. Daneben habe ich noch einen Termin ausgemacht, um ein Bankkonto zu eröffnen und habe ein halbes Semesterticket erstanden, was auch wieder mit Paperwork zu tun hatte. Wie ihr seht, bin ich also nicht untätig gewesen. Morgen geht’s dann wieder zur Uni, an diversen Workshops für die Bibliothek teilnehmen und sich etwas eingewöhnen. Graduate Students haben eine eigene Villa, die nur für sie da ist, und die muss ich morgen mal näher anschauen. Meine WG füllt sich langsam mit Leben, da von meinen 4 Mitbewohnerinnen nun 3 eingezogen sind.

Es bleibt also spannend. Ich bitte um Verzeihung wegen des späten Lebenszeichens und gelobe Besserung. Auf Bald, eure Hanni

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hier ich - ich will die Adresse!! Zum wilden postalischen Kontakt Halten:)
Liebste Fuchs-Grüße aus Wuppertal,
deine Koka